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Ich hab mir ja irgendwann ein grünes Dachtipi für meinen ollen Landy (Sir Weiwel wink) zugelegt. Zum Radfahren, zum wandern und - zum jagen. Und da ich keine Flinte habe, muß ich mir natürlich was anderes nehmen. Um wenig Blut zu vergießen, eignet sich die bereits vorhandene Kamera.
Auf Grund von Berichten eines ausgezeichneten Naturfotografen wollte ich es mal mit Gemsen probieren. Oder mit Gämsen? Die Gams, die Gemsen. Zum Glück gabs mal ne Rechtschreibreform. Man kann schreiben wie man es für richtig hält.

Ich habe mich also mit Sir Weiwel und dem Gordigear auf die Socken gemacht, um die Lage vor Ort mal zu checken. Hatte ja keine Ahnung, wie und wo sich die Veichle rumtreiben und habe zum ersten Lagecheck nur die α6000 mit dem Zeisserl mitgenommen. Drolligerweise traf ich schon nach wenigen Metern auf eine Gruppe Fotografen, die mich veranlassten, mich verschämt zurück zu ziehen. Die Rohre an deren Kameras - erschütternd, 1/2 Meter lang, dick wie ein Ofenrohr und ich mit dem putzigen Kleinteil.
Na, ich hab dann aber doch noch so die ersten Bildchen geknipst, als gerade mal nicht so viele Leute da rum trappelten. Ich nahm mir aber vor, früh morgens wieder aufzutauchen, wenn die Turies noch Butterstullen in die Kiemen schieben.

Gesagt getan, Flipflops gegen Bergschuh getauscht und so um halb sieben den Berg hoch. Und siehe da, eine himmlische Ruhe und ein paar unaufgeregte Tiere, die ohne Turies, die Vorzüge einer satten Gebirgswiese geniesen konnten. Wenn ich mich bewegte schauten sie zu mir auf oder ab und schätzten meine Gefährlichkeit ein. Angesichts meines leuchtend gelben T - Shirts erkannten sie wohl, dass ich kein Jägersmann war. So entschloss ich mich, nicht hinter einem Fels zu lauern, sondern mich als Teil ihres Umfeldes offen zu bewegen. Langsam und ohne Hektik natürlich. An einem steilen Hang habe ich mich auf einem schmalen Pfad nach unten bewegt. Erstens weil ich dort eine Bewegung sah, zweitens, weil ich hoffte, dass die Wiesennutzer irgendwann auf ihrem Weg nach unten bei mir durchkommen. So stand ich da, Kamera auf dem Stativ und harrte der Dinge. Irgendwann sah ich ein Jungtier, das über einen Fels nach unten stieg und in meiner Höhe an einer Kante die blauen Blümchen oder das Darumherum mampfte. In aller Gemütsruhe konnte ich einige Bilder machen. Warum der Kröte so ruhig war, sah ich einige Augenblicke später. An der Stelle, wo ich vorher eine Bewegung gesehen hatte, tauchte wohl die Mama von dem Kleinen auf.

Gams Kitz
Auch sie genoß ihr Frühstück und bewegte sich immer weiter auf mich zu. Sie hatte mich nicht beachtet, hörte aber irgendwann das Geräusch der Kamera. Sie schaute kurz hoch, schätzte mich wohl auch als nicht gefährlich ein und kaute weiter. Da wollte ich es wissen. Ruhig und monoton fragte ich sie, ob ich wohl etwas näher kommen konnte. Als sie ohne Reaktion weiter die leckereien verspeiste, nahm ich meine Knipse und schleppte das Ding vorsichtig den Hang hinunter. Übetreiben wollte ich es nicht, aber da sie auch von sich aus weiter auf mich zu kam, waren wir irgendwann nur noch ca. 4 mtr. getrennt. Irgendwie ein tolles Gefühl, wenn ein Wildtier so nah kommt. Dazu die Ruhe und das morgendliche Licht, traumhaft. Trotzdem, angesichts der Leckerlis der Gämsen und angesichts der Rucksackträger, die jetzt so langsam an der Bergkuppe auftauchten, konnte ich meinem Bauchgefühl folgen und mich selbst zu einem deftigen Frühstück aufmachen. Wunderschöne Picknickplätzchen gibt es in Frankreich genug. Und mit einem Dachzelt auf dem Auto auch genügend Gesprächsstoff.

Mama Gams

Gamsgeiß

 

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